Diplomatie

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Witwenmacher
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Diplomatie

Beitrag von Witwenmacher » Fr 24. Aug 2007, 16:56

Sturmwind, Hauptstadt der Menschen. Das Herz der Allianz. Die Nacht hat ihren schwarzen Mantel weich über die Stadt gebreitet. Ein dünner Nebelschleier wabert vom Fluss her über die leeren Straßen und Plätze. Auf dem Platz des Ruhmes hüpft ein Lichtpunkt durch die Dunkelheit. Es ist der Nachtwächter, der über den Schlaf der Bewohner der Stadt wacht. Sie fühlen sich sicher, weil er da ist. Sie wissen, er würde bei jedem Anzeichen von Gefahr sofort Alarm schlagen, denn es herrscht immer noch Krieg.
Aber er ist unachtsam, ja geradezu nachlässig. Vielleicht liegt es an dem Meer von Lagerfeuern, die vor der Stadt flackern. Die 5. Strumbrigade liegt vor Sturmwind. Bereit, am nächsten Tag aufzubrechen, um gegen den Schrecken im Norden zu ziehen und Lordareon, die alte Hauptstadt der Menschen, den toten, kalten Händen der Untoten zu entreissen.
Vielleicht hätte er sonst den Schatten über die Dächer huschen sehen, lautlos und schnell. Nicht mehr als ein verschwommener Schemen, der sich gegen den noch mondlosen Nachthimmel für den Bruchteil eines Augenblicks abzeichnet. Doch er richtet seine Aufmerksamkeit auf die Straßen.

Ich presse mich gegen den Kamin. Wäre ich noch darauf angewiesen, würde ich schwer atmen. Wie konnte ich nur so nachlässig sein. Vorsichtig luge ich um die Ecke über die Dachkante. Hat er mich bemerkt? "Du alter Trottel!" Denke ich mir. Wütend über meine Unachtsamkeit.
Der Weg durch das Heerlager hatte mich übermütig gemacht. Zu leicht war ich durch die Reihen der Soldaten geschlüpft. Beinahe hätte mich das mein Leben, oder besser Scheinleben, gekostet.
Aber der alte Mann scheint mich nicht bemerkt zu haben. Sicherheitshalber werfe ich noch eine Stahlkugel quer über den Platz in eine der einmünden Gassen. Kaum ist sie aufgeschlagen, sehe ich das Licht durch den Nebel davonhüpfen. Als es nur noch ein milchiger Punkt ist, springe ich auf und bewege mich eilig weiter über die Dächer. Leise und schnell, wie ein schattiger Windhauch.
Schließlich erreiche ich mein Ziel. Ein kleiner Palast im Schatten der Feste von Sturmwind. Ich verlasse die sicheren Dächer und hangle mich an einer Weinranke nach unten auf die Straße, überquere selbige und drücke mich in die schützenden Schatten der Mauer, die das Gebäude umgibt.
Ich bereite Seil und Haken vor, um die Mauer zu überqueren, als ich Schritte vernehme. Nein! Nicht jetzt!
Ich höre das Rasseln der Harnische, das rhythmische Klappern der Waffen im Takt der Schritte. Eine Patroullie der Königlichen. Ich springe hinter einen der Mauervorsprünge und verschmelze mit den Schatten. Meine Dunkle Kleidung hilft mir dabei. Doch die Aufregung ist umsonst, die Schritte entfernen sich wieder.
Diesmal schaffe ich es ungestört das Seil über die Mauer zu werfen und in den Garten zu gelangen.
Ich durchquere den Garten lautlos und schnell. Ich umrunde das Haus, bis ich zu einer kleinen Seitentür gelange. Wenn meine Informationen stimmen, ist das der kürzeste Weg in ihr Zimmer. Für meine geübten, wenn auch mit den Jahren etwas knochig gewordenen Finger stellt das rostige Schloss kein Problem dar. Die Tür jedoch scheint lange nicht benutzt worden zu sein, so dass ich ordentlich zusammenzucke als das laute Quietschen der alten Angeln durch den nachtschlafenden Hausflur zu brüllen scheint. Ich krame tief in meinen Taschen und fördere ein Fläschchen Öl zutage, welches ich großzügig auf die Angeln der Tür verteile.
Im Haus ist es still. Ich eile den Flur entlang. Meine weichen Ledersohlen verursachen fast kein Geräusch auf dem dicken Teppich. Zu meiner linken müsste sich nun die Treppe befinden. Tatsächlich! Da ist sie. Mein Informant hat gute Arbeit geleistet. Oben angekommen wende ich mich nach links in Richtung des Schlafzimmers. Die Tür ist angelehnt. Schwacher Lichtschein wirft sanfte Schatten in den Flur und funkelt in den Vasen und Kerzerständern wie durchsichtiges Gold.
Stimmen dringen an mein verbliebenes Ohr. (Das andere hat wohl der Greif in Feralas mittlerweile verdaut)
Ich bleibe stehen und lausche.
"Warum gehst du, du weisst, dass es zum Scheitern verurteilt ist."
"Weil ich muss, ich habe einen Eid geleistet, der mich bindet."
"Du hast auch mir ein Versprechen gegeben. Vor den Göttern und all unseren Freunden. Du hast versprochen immer für mich da zu sein. Es gibt doch für dich nichts mehr zu erreichen. Du bist eine Legende. Deine Leistungen in der Schlacht sind unübertroffen. Du hast die Orks unzählige Male zurückgeschlagen. Was treibt dich denn noch in die Schlacht? Bleib hier bei mir und Varas."
"Ich kann nicht, und das weisst du. Die Männer brauchen mich. Mir vertrauen sie. Nur mir würden sie in dieses Dreckloch Unterstadt hineinfolgen, dieses Geschwür das unter unserer einst so stolzen Hauptstadt schwärt"
"Aber was ist, wenn du nicht mehr zurückkommst, was soll ich unserem Sohn sagen?"
"Die Wahrheit..."
Ein Schluchzen war zu hören. "Gräme dich nicht mein Lieb. Komm her zu mir" Stille.
Nach einer Weile höre ich Geräusche, wie sie nur zwei Liebende von sich geben. Leise betrete ich den Raum, die zwei Gestalten auf dem Bett scheinen eine zu sein. Ich husche in die Schatten neben dem Schrank und warte geduldig. Das Zimmer ist prunkvoll eingerichtet. Ein riesiges Bett dominiert die Mitte des Raumes. Schwere Teppiche bedecken den Boden und die Wände. Schlacht- und Jagdszen wechseln sich darauf ab.Ein Kamin in der Wand gibt seine wohlige Wärme in den Raum ab. Neben dem Bett steht eine Kinderwiege, was die beiden aber nicht von ihrem lustvollen Treiben abhält.
Nach einer halben Ewigkeit und einem unterdrückten Lustschrei, lösen sich die beiden Gestalten voneinander. Ich warte noch eine Weile, bis ihr Atem sich beruhigt hat und nun regelmäßig zu mir herüberdringt. Sie scheinen zu schlafen.
Vorsichtig trete ich aus dem schützenden Schatten an das Bett heran. Ich betrachte die Frau. Sie ist schön, ihre Haut fast makellos. Nur eine kleine Narbe über der rechte Augenbraue.
Ich sehe mir den Mann an. Eine stattliche Erscheinung mit ebenmäßigem Gesicht, wie man es wohl nur beim Adel der Menschen vorfindet. So stellt man sich wahrscheinlich einen Helden vor. Sein Körper ist mit unzähligen Narben bedeckt. Wenn ich es nicht besser wüsste...
Ich greife meinen Dolch, und genieße das beruhigend schwere Gewicht in meiner Hand. Die Schneide ist geschwärzt, damit sie kein Licht reflektiert.
Langsam, fast schon zärtlich, schiebe ich den Dolch in die Kehle meines Opfers. Die Klinge ist so scharf, dass sie mühellos eindringt und dem Opfer keine Chance lässt etwas zu spüren. Der Klinge folgt ein Schwall schwarzen Blutes, das wie ein kleiner Bach am Hals meiner Beute hinabrinnt. Der Mond geht auf und für einen kurzen Moment sieht es wirklich so aus, als würde ein kleiner Fluß zwischen zwei Hügeln entlangfließen. Doch ich habe keine Zeit für idyllische Träumereien. Schnell wende ich mich meinem zweiten Opfer zu. Der Säugling schläft friedlich und ich glaube soetwas wie ein Lächeln um seine Lippen spielen zu sehen.
Mein Dolch trennt ihm fast den Kopf ab.

Leise, wie ich gekommen bin, verlasse ich das Haus und die Stadt wieder.
Lady Hochmarschall Freia Silberdorn, Wächterin des Südens, und ihr Sohn Varas, der Träger ihres Erbes sind tot. Ich glaube kaum, dass die 5. Sturmbrigade morgen noch den Mut aufbringen wird, gegen Unterstadt zu marschieren.

Ich bin ein Schurke, und das ist meine Art von Diplomatie

Ruhm und Ehre für Sylvanas
Zuletzt geändert von Witwenmacher am Fr 14. Mär 2008, 01:27, insgesamt 2-mal geändert.

Returno
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Re: Diplomatie

Beitrag von Returno » Mo 3. Sep 2007, 11:57

Sehr schön geschrieben wie ich finde

peleh
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Re: Diplomatie

Beitrag von peleh » Mi 12. Sep 2007, 16:37

Du alter Meuchler...

Schoene Kurzgeschichte!
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Taranir

Re: Diplomatie

Beitrag von Taranir » So 4. Nov 2007, 15:34

Das wärs doch! Quests wo man Leute aus anderen Hauptstädten meucheln muss, die Story is einfach geil!

Windstern

Re: Diplomatie

Beitrag von Windstern » So 4. Nov 2007, 18:45

Einfach nur geil.

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