Stern, der dem Winde folgt...

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Windstern

Stern, der dem Winde folgt...

Beitrag von Windstern » Fr 11. Apr 2008, 19:27

Stern, der dem Winde folgt... so nannte er mich.

Mich, die er ohne Namen, ohne mehr als eine Decke und der Korb, in dem ich lag, auf seiner Schwelle gefunden hatte. Windmähne war schon damals alt, ein weiser Schamane seines Stammes, der das Leben begrüsste, auch wenn es, wie ich, ziemlich lautstark nach Essen und Liebe schrie.

So nahm er mich an als sein Kind, zog mich gross und lehrte mich, die Natur zu respektieren. Schon bald war klar, dass der Pfad des Schamanen nie der meine sein würde - zu gross war die Freude, mit Pfeil und Bogen über die grünen Ebenen Mulgores zu streifen. Ich jagte und der Stamm labte sich an der Beute, die ich schoss. Ich sammelte Beeren und Wurzeln, erkundete Hügel und Höhlen und bekämpfte die Feinde meines Stammes, die unser Land entweihten.

Als die Zeit kam, den Geistern des Landes zu folgen, die Zeit der grossen Wanderung, löste ich mich nur schwer von meinem Ziehvater. Windmähne sprach zu mir: "Sei tapfer, meine Kleine. Alles, was du finden kannst, bist du selbst. Der Weg ist in dir und du bist auf ihm. Werde eins mit ihm und stelle dich deinem Schicksal."

Seine Worte hallten in mir wieder... ich lief und jagte, schlief und schlich, lauerte, kletterte und sprang. Meine Vorräte gingen zur Neige und das Wild blieb aus, je höher ich in die Berge kam. Vereinzelt ein Widder, der meinem Bogen rasch davonsprang. Bald war auch Wasser schwer zu finden, und ich fror in den Nächten. Eine Höhle unterhalb des Gipfels, das Ziel meiner Reise... und mit letzter Kraft schleppte ich mich hinein.

Der Geruch eines alten Feuers hing noch in der Luft... Zeremonienkräuter... auch Windmähne hatte mir einen Beutel davon mitgegeben. Ebenso ein wenig Holz, Feuerstein und Zunder. "Verwahre dies bis du an deinem Bestimmungsort angekommen bist." ermahnte er mich vor meinem Aufbruch. Oh, wie oft war ich versucht gewesen, das Holz zum Kochen meiner Jagdbeute zu nutzen...

Mit zitternden Fingern bereitete ich die Zeremonie vor, so wie er es mich hunderte Male gelehrt hatte. Die buntgewebte Decke breitete ich vor der Feuerstelle aus, entledigte mich von allem Überflüssigem und reinigte mein Fell im Schnee vor der Höhle. Frierend und nackt wie ein Kälbchen kniete ich vor dem Feuer und verbrannte die Kräuter. Der Rauch färbte sich grün, die Flammen violett, die Höhle begann sich zu drehen. Trommeln klangen in meinen Ohren... immer schneller und lauter... bis ich begriff, dass es mein eigenes Herz war, das immer rasender schlug.
Tief drang der Rauch ein in meine Nüstern und ich wiegte mich im Rhythmus meines Trommelherzens.... nakanera... nanaka ne... nakanera na ...nakanera... nanaka ne... nakanera na...

Die Erde sprach zu mir, das Feuer und der Wind... "Willkommen, Reisende... Jägerin... "
Und sie führten meinen Geist über die Ebenen und darüber hinaus, an fremde Orte, nach denen mein Herz sich sehnte... "Fort willst du, Jägerin... doch wo ist dein Herz ?"
Verwirrt fragte ich "Mein Herz ? Schlägt es nicht in meiner Brust ?"
Das Lachen der Elemente echote durch die Ebenen.
Erde sprach "Ruhe in dir und dein Schuss wird nicht fehlen."
Feuer sprach "Finde Leidenschaft und dein Arm wird stark"
Wind flüsterte "Doch dein Herz, dein Herz ist was du bist... kenne dich selbst und finde Frieden"

Alle drei zusammen sagten "Sieh in dich hinein... Jägerin... deinen Namen trägst du schon lange in dir..."

Und ich sah hinein in mich... sah mich streifen durch die Ebenen... bis tief in die Nacht... und heimkehren... Windmähne der mich erwartete... daheim... sein besorgter Blick, der sich aufhellte, als sich meine Gestalt aus der Dunkelheit schälte... "ein Stern ist heimgekehrt" sagte er und ich erwiderte "mit des Windes reicher Beute"...

Windstern...

Die Geister nickten zufrieden und entliessen mich. "Dein Pfad wird ereignisreich sein, junge Windstern. Wähle deine Schritte weise", hallten ihre letzten Worte in meinen Gedanken wider. Und mit einem letzten Aufbäumen erloschen die Flammen, und sowohl die Höhle als auch mein Geist hüllten sich in Dunkelheit...

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